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ZeitSprünge

Im Mai 2011 wurde die Dürnitz mit zwanzig „ZeitSprünge“- Installationen für die Besucher geöffnet.

ZeitSprünge

Dürnitz im Schloss Waldenbuch

Auf die Plätze, fertig,... „ZeitSprünge“. Was hat unser Alltag mit dem Alltagsleben von „damals“ zu tun? Sie werden staunen! Springen Sie zwischen den Zeiten, lassen Sie sich von der Vergangenheit überraschen.

Die ZeitSprünge sind das Highlight der neueröffneten Dauerausstellung im Erdgeschoss des Museums der Alltagskultur. Sie schärfen den Blick des Besuchers für den Gang durchs Haus. Zwanzig Objekte aus der volkskundlichen Sammlung wurden in spannenden Installationen mit Dingen und Phänomenen von heute konfrontiert: Die Viagra-Pille als Weiterentwicklung des „Röhrenden Hirsches“, das Internet (das www) als das „fließende Wasser“ von heute oder die teure Designerjeans im used-look neben dem mehrfach geflickten Betttuch.

All diese ZeitSprünge bieten Raum für eigene Interpretationen, eigene Erinnerungen und möglicherweise überraschende Gedankenblitze.

ZeitSprung Kauflust

ZeitSprung Kauflust

Einrichtungsteile und Waren aus der Gemischtwarenhandlung Payer/Hochstetter aus Neuenstadt/Kocher, 1982 geschlossen.

Seit dem 18. Jahrhundert gab es diesen Laden in Neuenstadt am Kocher. Nur in Städten war zu dieser Zeit ein Warenangebot wie in diesem Laden zu finden. Hier frönten vor allem gut betuchte Bürger der Kauflust, auch der württembergische Hof wurde beliefert. Kaufläden waren (und sind!) aber nie nur Orte zum Einkaufen, denn nebenbei trifft man dort Leute, hält ein Schwätzchen und erfährt das Neueste.

Heute kauft der gestresste Zeitgenosse zunehmend im Internet oder bei TV-Werbesendungen. Das 24-Stunden-Einkaufen über eine Telefon-Hotline ist ebenfalls eine neue Form der Kommunikation. Hören Sie selbst!


ZeitSprung Sauberkeit

ZeitSprung Sauberkeit

Nachttopf, Württemberg, 1. Drittel 19. Jahrhundert

Der Nachttopf gehörte noch bis in die 1950er Jahre in viele ländliche Haushalte. Die Toilette war häufig in einem extra Schuppen, der Topf ersparte die Gänge über den Hof. Dafür nahm man Geruchsbelästigungen gerne in Kauf. Und die Sauberkeit? Die Nachttöpfe wurden natürlich regelmäßig entleert und gelegentlich mit Essigessenz ausgespült.

Heute gibt es Toiletten, bei denen selbst der Reinigungsprozess automatisiert abläuft. In Anbetracht des gesteigerten Hygienebedürfnisses kann der Benutzer jede Spur seiner Anwesenheit berührungslos beseitigen. Selbstreinigender WC-Sitz, CWS Paradise Cleanseat, 2010


ZeitSprung Prestige

ZeitSprung Prestige

Radhaube, Gegend um Biberach (Oberschwaben), zwischen 1825 und 1845

Diese fein gearbeitete „goldene“ Radhaube wies die Frau, die sie trug, als verheiratete und reiche Oberschwäbin aus. Dieses Statussymbol war also ein „sprechendes“ modisches Accessoire, das Abgrenzung und Zugehörigkeit anzeigte – alles eine Frage von Prestige.

Heute
gilt ein Rund ganz anderer Art als Prestigeobjekt.

Radfelge, BBS, Schiltach (Schwarzwald), 2011


ZeitSprung Wertstoffe

ZeitSprung Wertstoffe

Kruschtecke aus dem Haus eines Nebenerwerbsbauern in Enzweihingen (bei Vahihingen/Enz), angesammelt bis 1985

In dieser Kruscht-Ecke hat ein schwäbischer Nebenerwerbslandwirt alles, was er noch meinte brauchen zu können, aufgehoben. Warum? Wer Zeiten erlebt hat, in denen es wenig oder nichts mehr zu kaufen gab, der lernt den „zweiten“ Blick auf die Dinge: Sie sind Wertstoffe, denn sie könnten ja noch zu irgendetwas nutzen!

Heute
hat sich die Bundesregierung 2009 mit der sogenannten „Abwrackprämie“ zum Ziel gesetzt, die Verschrottung alter PKWs zu fördern. Damit sollte die Schadstoffbelastung der Luft reduziert und gleichzeitig die Nachfrage gestärkt werden.

Automobil-Schrott-Pressling. Stuttgart, 2011