Landesstelle für Volkskunde

Dokumentieren – Forschen – Vermitteln

Die Landestelle für Volkskunde sichert, dokumentiert und analysiert das immaterielle Erbe Württembergs. Sie nimmt „Volkskultur“, die Kultur der Vielen und Alltagskultur  in ihrer historischen Dimension vor dem Hintergrund gegenwärtiger gesellschaftlicher Herausforderungen in den Blick. Sie versteht sich als Archiv und Forschungsstelle, die eng mit universitären Institutionen zusammenarbeitet. Darüber hinaus ist sie in ihrem Selbstverständnis eine Kultureinrichtung und ein Forum für gesellschaftlichen Austausch, indem sie Wissen über das immaterielle Erbe des Landes nicht nur archiviert, sondern an zivilgesellschaftliche Akteure kritisch-reflektierend vermittelt.

Die Anfänge der Landesstelle für Volkskunde gehen zurück auf die 1923 erfolgte Gründung der „Abteilung Volkstum“ beim Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart. Sie wurde geplant als zentrale volkskundliche Beratungs- und Dokumentationsstelle für das Gebiet des ehemaligen Landes Württemberg. Die Erfassung von Flurnamen, Volksliedern und Segenssprüchen bildeten die Basis der sprachkundlichen Ausrichtung der Landesstelle, die bis in die 1960er Jahre anhielt. Zugleich wurde aus der „Abteilung Volkstum“ eine der zahlreich in Deutschland entstehenden Landesstellen, die am Atlas der Deutsche Volkskunde (Großprojekt zur Kulturraumforschung 1928-1984) beteiligt waren. Seit 1979 gehört die Landesstelle für Volkskunde zum Landesmuseum Württemberg.

Aktuelle Projekte

der Landesstelle

Landesinitiative "Kleine Fächer"

Vernetzt lernen, forschen, vermitteln: Arbeit in Sammlungen
Eine Kooperation volkskundlicher Sammlungsinstitutionen mit Universitäten

Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Baden-Württemberg hat im Rahmen der Landesinitiative "Kleine Fächer" ein Kooperationsprojekt zwischen dem Tübinger Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft, dem Freiburger Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, den beiden volkskundlichen Landesstellen in Stuttgart und Staufen sowie dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg genehmigt.

Nachhaltige Stärkung des Fachs Kulturanthropologie/ Empirische Kulturwissenschaft
Die angestrebte enge Zusammenarbeit zielt auf eine nachhaltige Stärkung des Fachs Kulturanthropologie/Empirische Kulturwissenschaft durch die Nutzung der umfangreichen Sammlungen zur Populär- und Alltagskultur als Ressource für Lehre und gesellschaftlichen Wissenstransfer. Die Integration der Sammlungsbestände in Lehrformate wird dabei wesentlich zu einer praxisorientierten Lehre beitragen. Beginnend mit Lehrveranstaltungen zum Thema Arbeitskulturen werden die vielfältigen Bestände in Baden-Württemberg für die Lehre systematisch vernetzt, zugänglich gemacht und öffentlichkeitswirksam (Homepage, Ausstellungen, Publikationen) aufbereitet.

"Vernetzte Lehre" und "Gesellschaftlicher Transfer"
Im Rahmen der Initiative "Kleine Fächer" sollen zwei Säulen – "Vernetzte Lehre" und "Gesellschaftlicher Transfer" – zur nachhaltigen Stärkung des Faches realisiert werden. Dazu wurden im Juli 2016 bereits erste infrastrukturelle Schritte durch die Gründung des "Forums Alltagskultur in Baden-Württemberg" eingeleitet. Ziel des Forums ist es, die alltagskulturellen, sächlichen und nichtsächlichen Sammlungen als vielfältige Ressourcen zu nutzen, sie nachhaltig zu entwickeln und akademischer Lehre und Forschung sowie der außeruniversitären Bildung zugänglich zu machen. Langfristig können so brachliegende Wissensbestände unter aktuellen Forschungsaspekten (neu) erschlossen und die Sammlungen für die historische und gegenwartsorientierte Forschung zu Kultur und Lebensweisen nutzbar gemacht werden. Durch die Zusammenarbeit sollen aktiv gegenwärtige Forschungsfragen und -ergebnisse in die Sammlungen hineingetragen und ein wechselseitiger Wissens- und Methodenflow zwischen den universitären und außeruniversitären Sammlungs- und Forschungsinstitutionen generiert werden. Ziel ist es dabei, die nur vermeintliche Kluft zwischen Theorie und Praxis zu überwinden, universitäre Lehre und die Forschung in Museen zusammenzuführen und schließlich die Potenziale sammlungs- und archivbasierter Forschungsarbeit zu steigern und über geeignete Formate an die Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Projektleitung: Karin Bürkert (LUI), Cornelia Ewigleben (Landesmuseum Württemberg, Stuttgart), Michael Fischer (Zentrum für Populäre Kultur und Musik, Uni Freiburg), Eckart Köhne (Badisches Landesmuseum, Markus Tauschek (Uni Freiburg), Thomas Thiemeyer (LUI), Karlsruhe)
Laufzeit: 09/2017-08/2019

Tagungsbericht Mai 2019
Gegenwartsdokumentation

Die Gegenwartsdokumentation registriert aktuelle volkskundlich relevante Ereignisse. Ausgangspunkt ist eine seit 1923 bestehende Sammlung von Zeitungsausschnitten und Kleinstschriften, die fein systematisiert in inzwischen 24 Schubschränken (ca. 60 laufende Meter) aufbewahrt werden. Derartige Dokumentationen gehören zum klassischen Bestand von Einrichtungen wie der Landesstelle für Volkskunde. Der besondere Wert unserer Sammlung liegt in der langfristigen und ununterbrochenen Erfassung. Zukünftig wird die Archivierung, schon aus konservatorischen Gründen, digitalisiert. Und zukünftig werden auch verstärkt Filme und Fotografien integriert.

Seit der Integration in das Landesmuseum Württemberg gewinnt die kooperative Dokumentation zu den musealen Referaten der Abteilung Volkskunde zunehmend an Bedeutung. Die ehemals relativ getrennten Forschungen der Sachkultur und der Schriftkultur werden somit den realen, ungetrennten Verhältnissen angepasst und zusammengeführt.

Digitalisierung Liedarchiv

Dank der finanziellen Unterstützung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg können seit 2018 die Bestände des württembergischen Volksliedarchivs digitalisiert und online für alle zugänglich gemacht werden. Das Projekt wird Ende September 2019 abgeschlossen sein. Das Archiv umfasst 22.000 Liedtexte, die im 19. und 20. Jahrhundert zusammengetragen und gesammelt wurden. Es bietet nicht nur einen Einblick in die Verbreitung und örtlichen Abwandlung von Volksliedern, sondern gewährt auch Informationen über die Mundart und die Geschichte vieler Orte. Zudem sind die Volkslieder ein Schaufenster in die zeit und an den Ort ihrer Entstehung und informieren über Gesellschaft und Leben im Württemberg des 19. Und frühen 20. Jahrhunderts. Durch die Digitalisierung sind die Lieder nicht mehr nur im Original einsehbar, sondern stehen allen Interessierten zur Verfügung. Die Digitalisierung ist Voraussetzung für die Anreicherung der Lieder mit Metadaten zu Sammler und Sangesort wie auch deren inhaltliche Erschließung nach Sachgebieten (Themen, Art des Liedes usw.).

Ihre Ansprechpartnerinnen

rund um die Landesstelle

Prof. Dr. Sabine Zinn-Thomas
Leitung der Landesstelle

Tel: 0711 89 535 321
sabine.zinn-thomas@
landesmuseum-stuttgart.de

Dr. Angelika Merk
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tel: 0711 89 535 325
angelika.merk@
landesmuseum-stuttgart.de

Adresse
Landesstelle für Volkskunde
Schillerplatz 1 (Fruchtkasten)
70173 Stuttgart

Postanschrift
Landesstelle für Volkskunde
Altes Schloss
Schillerplatz 6
70173 Stuttgart

Blogartikel der

Landesstelle für Volkskunde

Feiertags-Challenge: 8 Fragen zum Johannistag

Der Johannistag steht vor der Tür – Zeit, euch und euer Wissen darüber zu testen. Die Landesstelle für Volkskunde hat 8 Fragen vorbereitet, an denen ihr euch ausprobieren könnt. Viel Spaß dabei!

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Feiertags-Challenge: Osterbräuche in zehn Fragen

Das Osterwochenende steht vor der Tür! Nach der 40-tägigen Fastenzeit wird in vielen Ländern Europas das christlich geprägte Osterfest gefeiert. Es gründet allerdings nicht nur auf Religiosität, sondern enthält auch viele weltliche Bräuche, welche die ...

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Das Geheimnis der Morloks

Im Nordschwarzwald, genauer gesagt in der Nähe von Baiersbronn, befindet sich ein Bauernhof mit dem Namen Morlok-Hof. Er wurde 2003 vom Hotelier Hermann Bareiss erworben. Beim Anblick seiner Fassade lässt sich kaum erahnen, welcher geheimnisvolle ...

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Arbeit ist Arbeit ist Arbeit ist… : Gesammelt, bewahrt und neu betrachtet

Eine Familie bei der Kartoffelernte in Donnstetten, um 1910. Ein Raum voller Datenerfasserinnen der Württembergischen Versicherungsgesellschaft, siebzig Jahre später. Was haben diese Bilder miteinander gemein? Idealbild Arbeit Beide Fotos zeigen ein idealisiertes Bild von Arbeit. ...

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„Württembergische Volkslieder“ bald digital

Schon lange vor Stuttgart 21 machten die Schwaben mit ihrer Eisenbahn von sich reden. Eines der wohl bekanntesten Volkslieder aus Württemberg ist das Lied von der Schwäb’schen Eisenbahn. Jeder hat es sicher schon einmal gesungen ...

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Öffentliche Fachbibliothek

Unser Service für Sie

In der Landesstelle für Volkskunde befindet sich eine öffentliche Fachbibliothek mit Beständen zu alltags- und populärkulturellen Themen, württembergischer Landesgeschichte sowie einem Schwerpunkt auf Orts- und Regionalliteratur. Darüber hinaus können kulturwissenschaftliche Fachzeitschriften und Periodika eingesehen werden. Die Bibliotheksbestände der Landesstelle für Volkskunde sind im Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB) recherchierbar.

Öffnungszeiten Archive und Bibliothek: Mo bis Do 10 bis 16 Uhr; Fr 10 bis 13 Uhr
Bitte vereinbaren Sie nach Möglichkeit einen Termin.

Bestände im OPAC

Archive

der Landesstelle

Konferenz- und Sprachaufsätze

Konferenzaufsätze
Die Konferenzaufsätze „Volkstümliche Überlieferungen in Württemberg“ aus dem Jahr 1900 zählen zu den wichtigsten Archivbeständen der Landesstelle für Volkskunde. In 483 Dokumenten berichten Volksschullehrer aus württembergischen Gemeinden über Sitte und Brauch, Nahrung, Kleidung, Wohnung und Geräte, Glaube und Sage, Volksdichtung und Mundart. Die Konferenzaufsätze sind das Ergebnis des ersten volkskundlichen Großprojekts in Württemberg und beziehen sich auf einen von Karl Bohnenberger (1863-1951) ausgearbeiteten Fragenkatalog, der im Jahr 1900 an alle Gemeinden in Württemberg versendet und überwiegend von Volksschullehrern beantwortet wurde. Den Lehrkräften wurde in diesem Jahr seitens der Schulverwaltung gestattet, ihre jährlich während der Ausbildung anzufertigenden Aufsätze diesem Vorhaben zu widmen. Nach ihrer Digitalisierung im Jahr 2016 stehen die Berichte einer interessierten Öffentlichkeit online zur Verfügung.

Sprachaufsätze
Die Sprachaufsätze wurden in den Jahren 1860/1861 ebenfalls von Volksschullehrern in Württemberg angefertigt. In rund 400 Aufsätzen geht es darin um die lokalen mundartlichen Besonderheiten württembergischer Gemeinden. Im Jahr 1860 gab Adelbert von Keller mit Erlaubnis des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens ein Thema für die sogenannten „Konferenzaufsätze“ vor: Württembergische Volksschullehrer sollten die Abweichung der Mundart ihres Dienstortes von der Schriftsprache erheben und in einem Aufsatz darlegen. Diese Konferenzaufsätze waren schriftliche Hausarbeiten, die Volksschullehrer zu den regelmäßig stattfindenden Lehrerkonferenzen anfertigen mussten.

Volkslied-, Flurnamen und Bildarchiv

Württembergisches Volksliedarchiv
Das Württembergische Volksliedarchiv umfasst 22.262 Liedbelege (Volks- und Kinderlieder, Abzählreime und Balladen) in Zettelform, auf denen Liedtexte Sammler, Sangesort sowie teilweise auch die Noten verzeichnet sind. Es ist in rund 700 Sammlungen unterteilt. Diese umfassen den Zeitraum vom 18.-20. Jahrhundert. Es ist in enger Kooperation mit dem Deutschen Volksliedarchiv (heute Zentrum für populäre Kultur und Musik (ZPKM)) in Freiburg im Breisgau entstanden. Das Volksliedarchiv wird derzeit digitalisiert und wird 2019 vollständig über den Digitalen Katalog des Landesmuseums recherchierbar sein.

Württembergisches Flurnamenarchiv
Das Württembergische Flurnamenarchiv enthält über 150.000 Karteibelege zu Flurbezeichnungen und 600 markungsbezogene Sammlungen. Angelegt wurde es im Zusammenhang mit der Entstehung der Flurkarten. Heute ist es nicht nur Quelle für historische und philologische Forschungen, sondern wird auch zu Rate gezogen, wenn Siedlungen oder Straßen neue Namen brauchen.

Bildarchiv
Das Bildarchiv umfasst ca. 4.000 Fotos und Negative und ca. 10.000 Dias. Es enthält wertvolle Bestände zur Alltagsfotografie vor 1900 sowie eine umfassende Trachten- und Brauchdokumentation, die bis in die Gegenwart reicht.

Weitere Sammlungen

Zu den weiteren Beständen der Landesstelle für Volkskunde gehören u.a. eine Sammlung zu Segens- und Heilsprüchen, die Belegzettel und Karten zum „Atlas der Deutschen Volkskunde“ (ADV) wie auch das Schwäbische Autorenarchiv von Martin Blümcke. Außerdem zählen zum Bestand eine seit 1923 erhobene Sammlung von Zeitungsausschnitten (bis 1995) und Kleinstschriften. Seit der Überführung der Landesstelle für Volkskunde in das Landesmuseum Württemberg gewinnt die kooperative Dokumentation zu den musealen Referaten der Abteilung Populär- und Alltagskultur zunehmend an Bedeutung. In ausgewählten Projekten werden die materiellen wie auch immateriellen Anteile kulturwissenschaftlicher Themenfelder gemeinsam bearbeitet und erforscht. Im Hinblick auf die Gegenwartsdokumentation befindet sich derzeit eine lebensgeschichtliche Sammlung im Aufbau. Sie sammelt, dokumentiert und erforscht das Alltagsleben württembergischer Bürgerinnen und Bürger.

Konferenzaufsätze 1900

Volkstümliche Überlieferungen

Die volkstümlichen Überlieferungen sind das Ergebnis des ersten volkskundlichen Großprojekts in Württemberg. Sie beziehen sich auf einen Fragenkatalog, der im Jahr 1900 an alle Gemeinden in Württemberg versendet und überwiegend von Volksschullehrern beantwortet wurde. Den Lehrkräften wurde in diesem Jahr seitens der Schulverwaltung gestattet, ihre jährlich während der Ausbildung anzufertigenden Aufsätze diesem Vorhaben zu widmen. So kamen über 500 Konferenzberichte aus mehr als einem Viertel der württembergischen Gemeinden sowie einigen Orten in Hohenzollern zustande. Bis heute haben sich 489 handgeschriebene, fadengebundene Aufsätze im Umfang zwischen 10 und 100 Seiten mit einer Fülle an Informationen zum Lebensalltag der Bevölkerung erhalten, die für Württemberg einmalig ist. Nach der Digitalisierung im Jahr 2016 können die Berichte hier zum ersten Mal vollständig veröffentlicht werden.